Selbstporträt

Mophische Welten - Die Bejahung des Archaischen

Meine Arbeit beruht auf der organischen Sicht der Natur, wobei meine Sensibilität einem naturalistischen Determinismus traditioneller Prägung unterworfen ist. Ich kann die von der Natur vorgegebenen Richtlinien nicht ignorieren, was neben der Auswahl der Motive auch unmittelbare Auswirkung auf meine Maltechniken und das Zulassen diverser Gestaltungs- und Trocknungsprozesse in der Bildgenese hat. Stets finde ich in der Natur das Archaische, die verborgene Wahrheit, den Sinn des Lebens, Magie, Ästhetik und Geheimnis...

Joseph Beuys hat einmal gesagt: "Der Begriff des Ästhetischen muss auf den menschlichen Bereich ausgedehnt werden. In ihm muss er eine Einheit bilden und darf sich nicht darauf beschränken bloßes Objekt zu bleiben". Mit diesen Worten kann ich mich voll und ganz identifizieren.

Mein bereits als Kind vorhandenes Interesse an der Komplexität archaischer Strukturen von Flora & Fauna sowie des Mikrokosmos und der unbelebten Natur findet gestalterischen Ausdruck in meiner Malerei. Dabei sind es niemals Abbilder - immer ist es der eigene innere Ausdruck, welcher die Wirklichkeit nur andeutet und viele Assoziationen erlaubt.

Als Anthropologe/Naturwissenschaftler verfüge ich über eine Sammlung von Schädeln, Knochen, Steinen, Muscheln, Kristallen und z. B. über ein selbst erstelltes Herbarium, außerdem habe ich diverse Erfahrungen mit dem Mikroskop und dem Binokular sammeln können. Denn auch im Mikrokosmos und in der unbelebten Natur (z. B. in Zellverbänden, Molekülen oder Kristallen) findet sich eine imposante Vielfalt an Strukturen, die mich in ihrer Symmetrie, Mechanik und bizarren Komplexität immer wieder ehrfürchtig werden und das ästhetisch-Archaische erleben lassen.

Die Oberfläche meiner „morphischen Werke“ kommt meist temperamentvoll, griffig, aufgewühlt daher. Es scheinen angedeutete Tier- und Pflanzenteile, Organellen u.a. filigrane Strukturen von Organismen und Zellen durch diverse Flüssigkeiten zu driften - mal pastos, mal transparent. Ströme fließen, „Flechten wachsen“ auf diversen Untergründen, morphologische Formen mäandern durch die Motive, Oberflächen brechen auf, werden zerlegt und wieder zusammengeführt, Grenzen werden überschritten, Ursprünge entdeckt. Fragmente aus der Natur konkretisieren sich schemenhaft heraus und scheinen in bizarren Umgebungen zu existieren.

Auf meinen Bildern kann man immer wieder Überraschendes entdecken - insbesondere dann, wenn sich das Licht im Laufe des Tages verändert und die Kompositionen aufgrund des sich wandelnden Schattenwurfs dadurch anders erscheinen.

In unserer technisierten Welt, in der immer mehr Menschen den Zugang zur Natur zu verlieren scheinen und gleichzeitig ein wachsendes Bedürfnis ihrer Bewahrung vorhanden und überlebenswichtig ist, kann die Beschäftigung mit dem Archaischen, dem Form-gebenden und Ästhetischen vielleicht einen Beitrag dazu leisten, sich wieder stärker mit der Natur verbunden und als Teil derselben zu fühlen. Insofern kann man meinen Werken vielleicht eine aktuelle Relevanz beimessen.

Klaus Rimbach

Klaus Rimbach

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